kleidergottbarbaren und sklavenbadekultur

DIE RÖMISCHE BADEKULTUR

Baden war eine der großen Errungenschaften der römischen Zivilisation. In Rom selbst gab es in der späten Kaiserzeit (3. Jh. n.Ch.) rund 1000 Badeanstalten, man nannte sie Thermen. Baden war DER Freizeitspaß der Bevölkerung, und zwar aller Schichten.

badenixenDie Thermen hatten bis Sonnenuntergang offen. Der Eintritt in die Therme wurde niedrig gehalten, damit sich auch ärmere Bevölkerungsschichten ein tägliches Bad leisten konnten. Kinder waren meist frei, jedoch mussten dafür die Frauen, mit denen sie ja ins Bad gingen, mehr bezahlen als Männer.

In vielen Thermen gab es einen eigenen Bereich für körperliche Ertüchtigung, die so genannte Palästra. Vor dem Sport rieb man sich mit Olivenöl ein, der Körper war - bis auf einen Lendenschurz bzw. einen Bikini für Frauen - unbekleidet. Man liebte Ballspiele, Gymnastik und Ringen. War man richtig durchgeschwitzt und voll von Sand (die Palästra war mit Sand ausgelegt), so reinigte man sich mit Hilfe der Strigilis. Dabei handelte es sich um ein sichelförmiges Instrument aus Metall, mit dem man den Körper abschaben konnte (vgl. ‚striegeln’). Wenn man alle Badebereiche durchlaufen hatte, meist sogar mehrmals, rieb man sich erneut mit Öl ein, bevor man sich ankleidete und die Therme verließ.

Therme – die einzelnen Räume

Das Apodyterium stellte eine Garderobe dar, es befand sich gleich im Eingangsbereich der Therme. Hier konnte man sich der Tunika und Toga entledigen und die Kleider in ein Fach oder eine Nische legen. Im Apodyterium gab es häufig einen Sklaven, der die Kleidung bewachte.

Das Frigidarium bildete den ersten Badeabschnitt. In diesem Kaltbad betrug die Wassertemperatur etwa 25 Grad. Man stieg in ein Becken, plauderte mit anderen und entspannte sich ein erstes Mal ausgiebig.

Wenn einem kalt wurde, wechselte man in den nächsten Bereich, das Tepidarium. Hier war das Wasser an die 30 Grad warm. Auch hier ließ man sich längere Zeit im Wasser nieder, entspannte, hörte und verbreitete Klatsch und Tratsch, schloss Geschäfte ab und betrieb Politik.

Der wärmste Badetrakt war das Caldarium mit etwa 35 Grad Wassertemperatur.

latrineLatrinen waren in den privaten Wohnbereichen der Menschen eher die Ausnahme als die Regel. In den Thermen gab es große Latrinen mit umlaufenden Steinbänken, die über einem Abwasserkanal errichtet worden waren. In den Bänken befanden sich in regelmäßigen Abständen Ausnehmungen wie von einem Plumpsklo bekannt, auf die man sich setzte. Vor den Füßen befand sich eine Rinne, durch die Wasser floss. Es scheint kein Muss gewesen zu sein, sich mit dem Schwamm den Hintern zu säubern, ebenso wenig wissen wir von der Verwendung von Blättern. Wahrscheinlich wurde einfach nur die linke Hand verwendet, wie dies ja heute noch in einem überwiegenden Teil der Welt der Fall ist.

Thermen waren also preiswerte und gerne besuchte Bereiche des Freizeitvergnügens, Unterhaltungs- und Kommunikationszentren, mit dem angenehmen Nebeneffekt der Körperhygiene sozusagen. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass das Wasser nicht wie heute durch Chlor und andere Chemiekeulen gereinigt wurde, auch der Wasseraustausch fand wohl nur alle paar Wochen oder Monate statt. Mosaike und Badewannenränder waren daher nach kürzester Zeit von Schimmel befallen und es gab sicher eine Menge von Krankheitserregern – Fußpilz war möglicherweise noch das harmloseste, was man sich holte. Aus diesen Überlegungen heraus beneidet man den antiken Badegast nun nicht mehr sonderlich, oder?

ACHTUNG!
Auch in Städten wie Carnuntum wurden gleich mehrere römische Badeanlagen gefunden. Die öffentliche Therme im Freilichtmuseum Petronell ist mit hoch aufragenden Rundbogenfenstern und einer repräsentativen Säulenhalle im Eingangsbereich ein Prunkstück römischer Bautechnik. Diese Badeanlage ist aber nicht nur wegen ihrer Größe beeindruckend, sie ist auch voll funktionstüchtig! Marmor, aufwändige Wandmalereien und die tolle Heiz- und Wasserversorgungstechnik zeigen das hohe zivilisatorische Niveau in Carnuntum vor rund 1700 Jahren.