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DIE SCHULE

Die Zeit vor der Schule

Ich, Julius Carnuntinus, bin 12 Jahre alt, also gehöre ich zur Altersgruppe der pueritia. Jugendliche von 14 bis 17 Jahren nennt man adulescentia. Gleich nach meiner Geburt ist mir ein rundes Amulett (bulla) aus Leder um den Hals gehängt worden. landkarteDarauf bin ich sehr stolz, denn es ist ein Zeichen, dass ich ein Freigeborener bin. Wenn ich zwischen dem 15. und 17. Lebensjahr die Kindertoga ablegen werde und die Männertoga (Toga virilis) tragen darf, (was ich kaum erwarten kann!), nehme ich auch meine Bulla ab und weihe sie unseren Hausgöttern.

Am neunten Tag nach der Geburt, dem „Tag der Reinigung“, haben meine Eltern mir den Namen „Julius“ gegeben. Ich mag den Namen, weil ich berühmte Vorfahren habe. Die ersten Jahre meiner Kindheit habe ich gemeinsam mit meiner Schwester bei der Mutter, den Tanten und bei der Großmutter verbracht. Das war eine herrliche Zeit! Für mich als Knaben hat es auch einen eigenen Erzieher (Paidagogos) gegeben, der immer für mich da war und der mich schon ein bisschen auf die Schule vorbereitet hat. So einen konnten sich ärmere Leute natürlich nicht leisten.

Grundausbildung

Etwa ab dem 6. Lebensjahr ist für Kinder aus ärmeren Familien und für Sklavenkinder das sorglose Leben vorbei, sie müssen arbeiten gehen und haben gar nie die Chance auf Bildung! Denn die Schule (Scola) ist bei uns keine Pflicht, sondern immer eine private Angelegenheit der Eltern. Ich darf zur Schule gehen, weil meine Eltern sich die Bezahlung eines Lehrers leisten können. Ganz reiche Kinder haben sogar einen Hauslehrer.

Es gibt verschiedene Schulen, je nachdem, wie viel Geld die Eltern ausgeben können. Manche Schulen sind gar nicht kinderfreundlich. Oft sind bis zu 30 Leidensgenossen in einem dunklen Raum zusammengepfercht. Die armen Schüler müssen stur auswendig lernen oder es gibt Prügel! Stellt euch das vor! Mein Lehrer (Magister) ist zwar auch streng, aber freundlich und gerecht. Ich möchte einmal nicht als Lehrer arbeiteten, denn die genießen wenig Ansehen und haben ein sehr niedriges Einkommen.

Morgens bin ich immer noch ganz verschlafen, so früh beginnt der Unterricht. Er dauert den ganzen Tag – natürlich mit Mittagspause! Obwohl ich gerne zur Schule gehe, vermisse ich die Freizeit. Es gibt im ganzen Jahr leider nur wenige freie Tage.

Knaben und Mädchen werden bis zum 12. Lebensjahr gemeinsam unterrichtet. Das Wichtigste ist, dass wir gut lesen, schreiben und rechnen lernen. Wir haben aber auch Religion und Musik.

schreibtafelUnsere Schreibtäfelchen aus Holz sind eine tolle Erfindung! Die sind nämlich mit einer dicken Wachsschicht überzogen, sodass man mit einem Metallstift (Stilus), der ein spitzes und ein flaches Ende hat, Buchstaben und Bilder einritzen kann. Wenn ich einen Fehler mache oder wenn ich den Text nicht mehr brauche, wische ich das Wachs mit dem flachen Ende des Metallstiftes einfach wieder glatt – und schon kann ich neu beginnen! Das ist toll!